Samenstau …

Liebe Erika B.,

ich bin ein grandioser Liebhaber. Bedauerlicherweise aber nur, was Ihre Sendung betrifft. Deswegen möchte ich mich hilfsbedürftig mit diesen Zeilen an Sie wenden. Denn ich habe da ein pikantes Problemchen und das Ende meiner Fahnenstange ist endgültig erreicht.

Als gestandener Bayer mit fränkischem Migrationshintergrund zähle ich in keinerlei Hinsicht zu jener Gattung, die schnurstracks den Schwanz einzieht. Gerade wenn es hart auf hart geht. Trotzdem ist meine Erfolgsquote bei den Girls auf hohem Niveau konstant desolat.

Zu Beginn meiner abstinenten Adoleszenz war ich mir meiner latenten Lendenpein wenig bewusst. Doch meine äußerst langjährige Gymnasialphase blieb geprägt von Abblitzsprüchen wie: „Du hattest wohl bloß Singen und Klatschen in der Grundschule“ oder: „Ich kann dich so ignorieren, dass du an deiner Existenz zweifelst.“ Später an der Uni murmelten sich meine Kommilitoninnen inmitten meiner mitleidheischenden Passiv-Anmach-Versuche zu: „Kariertes Hemd und Samenstau – der studiert Maschinenbau …“ Irgendwann befürchtete ich notgedrungen, niemals im Leben einen Höhepunkt mit einer Frau zu erreichen, die nicht „.jpg“ mit Nachnamen hieß.

Illu: V. Kowalski

Schließlich durfte ich eines alkoholschwangeren Volksfestabends endlich auf den Geschmack kommen. Mit Daysie, einer derben Dorfrutsche von genetisch zweifelhafter Herkunft. Gleich hinterm Autoscooter entkleidete ich mich vor ihr wie ein geölter Blitz, während sie über ihre bisherigen Gspusis referierte. Daysies Erfahrung nach existierten folgende Piepmatz-Proportionen: „Klein – Mittel – Groß – Oh mein Gott! – Gibts den auch in Weiß?“ Nachdem sie mein gutes Stück bedröppelt im unteren Fünftel eingereiht und mir ausführlich ihre abrupt auftretende Eiweißallergie erörtert hatte, erfolgte anstelle eines „Happy Ends“ lediglich ein „Coitus interruptus“. Statt Stöckchen verstecken musste ich zwangsläufig wieder das gewohnte Eichel-Solo spielen.


Ach, Erika, vielleicht steige ich ja noch, bevor mich der Boandlkramer holt, genau wie Sie ins TV-Moderatoren-Geschäft ein, erreiche dann schnell den Status der Semi-Prominenz und ergattere ergo Mega-Potenz. Am Konzept feile ich gerade, einen Titel für meine zukünftige Show hätte ich allerdings schon parat: „Der Greis ist heiß!“

In baldiger Erwartung einer erlösenden Antwort grüßt Ihr von immenser Laternenverkalkung geplagter
Kurt

© 06/2011 by Christoph Brandt
Text aus der Rubrik “curt vergleicht”, curt Magazin München #68,  www.curt.de

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01
Aug 2011
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