Auf’brezelt …

Ach Männo, kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich! Obwohl ich als frisch Pubertierende voll im Saft stehe, lassen mich die meisten Burschen darin schmoren, indem sie mir in letzter Zeit kaum Beachtung schenken. Langsam bin ich mit meinem ohnehin spärlichen Latein am Ende.

In meiner Verzweiflung wende ich mich zunächst an die wahren Experten ihres Fachs: das Dr. Sommer-Team. Doch auf mein Schreiben „Hilfe, ich bin 14 und kenne erst acht Stellungen!“  warte ich womöglich noch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf eine rettende Antwort. Folglich dürfen schließlich die Bagger-Tipps meiner urigen und einzigen Freundin Liesel herhalten, die feststellt: „Du wärst gar ned so greislig, aber dei‘ Gwand is ja schiach wia’d Nacht finster … Wos hoidst’n du von Fäschn?“  Worauf ich knapp entgegne: „Eigentlich herzlich wenig.“  Liesel grinst mitleidig und frotzelt: „Saxendi, geh weida! Liaba auf’takelt wia a Kreuzfahrtdampfa, ois ab’blitzt! Lecko mio, die Mannsbuida kumma auf de Knia dahergrocha, wanns’ di g’scheid aufbrezelst!“

Illu: Jule Krusch

Leichter gesagt, als getan. Denn als ich tags drauf mein Anliegen in der Bäckerei vortrage, glotzen die hiesigen Verkäuferinnen ganz konsterniert aus ihren Schürzen. Wen wunderts? Diese sprachlosen Schnallen sind begriffsstutziger als Weißbrot und wissen mir nicht im Geringsten weiterzuhelfen. Stilikone Liesel dagegen, die die Weisheit wohl eimerweise mit dem Löffel gefressen hat, kann mich netterweise aufklären: „Mode entstand bereits im Garten Eden, als Eva beschloss, ihr Feigenblatt zu verkleinern. Mode ist die Imitation derer, die sich unterscheiden wollen von denen, die sich nicht unterscheiden. Frauen unterwerfen sich deshalb willig der Mode – jener chronischen Stoffwechselkrankheit –, weil sie wissen, dass sich die Verpackung ändern muss, wenn der Inhalt interessant bleiben soll.“ *

ElitePartner.de

Mir brummt der Schädel ob all der Fakten aus erster Hand. Aber nachdem wir in Liesels prallem Kleiderschrank einen hautengen Spandex-Fummel gefunden haben, sie mir ein paar knallig-kecke Haar-Highlights verpasst und meine Fingernägel mit funkelnden Strass-Steinen übersät hat, bin auch ich geläutert und bereit für die erfolgreiche Pirsch.

*zum besseren Verständnis ins Hochdeutsche übersetzt

© 03/2011 by Christoph Brandt
Text aus der Rubrik “curt vergleicht”, curt Magazin München #67,  www.curt.de

17
Aug 2011
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KATEGORIE Hirnverbrandtes
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