Polen …

Der Verfasser dieser sinnbefreiten Zeilen ironiert für gewöhnlich so lange, bis er letztendlich zum Sarkasmus kommt. Hier möchte er ausnahmsweise eine enthemmte Episode unverfälscht wiedergeben. Es ist die Rede von seiner erotischen Erstbesteigung von Kasia aus Warschau.

Illu: Valentin Plank

Mit 17 reiste ich über Rudis Reiserampe in die USA, dem Land der ungedeckten Möglichkeiten, um dort ein halbstarkes Highschool-Jahr zu verbringen. Ebenda lernte ich die aufmüpfige Austauschschülerin Kasia bei einem gemeinsamen Glas Besatzerbrause kennen. Sofort hatte ich mich komplett in ihren ausgeprägten Gerätepark verguckt. Rubens wäre von ihrer Figur sicherlich begeistert gewesen. Wie sie vor mir kniete in ihrem kessen, auf Nerz gepeitschen Karnickelfell, eingehüllt in ehrenwertes Eau de Pologne. So verdammt heiß – sie musste der wahre Grund für die globale Erderwärmung sein. Ich kokettierte: „Wusstest du eigentlich, dass die Indianer gemeinsam mit den Polen die größten Liebhaber sind? Ach, übrigens, ich heiße Winnetou Koslowski …“

Mir sind die hierzulande geltenden Vorbehalte gegenüber unseren arbeitslosen ausländischen Nachbarn völlig fremd. Gut, es gibt wohl derzeit zu viele Polen in Deutschland, was man daran erkennt, dass sogar die lokalen Zigeuner Hausratversicherungen abschließen. Und in den Himmel ist bisherig auch kein Pole gekommen, weil der Große Wagen sich nach wie vor an Ort und Stelle befindet. Trotzdem haben manche kaum den blassesten Schimmer von Polens Errungenschaften, z. B. der Erfindung des Kreisverkehrs. Wenn sie losfahren, ist nämlich das Lenkradschloss noch drin.


Von Verklemmung spürte man bei Kasia jedenfalls wenig. Sie war zwar vom Alter her nur eine Teeny Tuss‘, aber bereits absolut sattelfest und in der Lage, Geschlechtskrankheiten am Geschmack zu erkennen. Ich weiß, einige Männer geben aus lauter Ansteckungs-Paranoia keiner Polin mehr die Hand. Stattdessen sagen sie zum Abschied kurz und knackig: „Ich habe das Geld auf den Nachttisch gelegt.“

Titte wie Latte! An Kasia interessierte mich damals bloß, dass ich nicht nur endlich ins nebulöse Nackedonien einreisen durfte, sondern mir zu guter Letzt ganz Polen offen stand. Jammerschade, seit jenem glorreichen Erlebnis gebärdet sich sämtlicher Sexual-Sport bis dato ähnlich fesselnd wie der Affenzirkus Cirque de SO LAME und mein durchschnittlicher Verkehr dauert knapp fünf Minuten – inklusive Wählen und Auflegen. Der einzige Trost: Ich kann dabei wunderbar ein paar Brocken Polnisch üben …

© 06/2012 by Christoph Brandt
Text aus der Rubrik “curt vergleicht”, curt Magazin München #72, www.curt.de
 
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07
Aug 2012
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