Der dankbare Typ …

Bevor der weinbrandt sich in seinen dreiwöchigen Urlaub in den St. Gotthard-Tunnel verabschiedet, präsentiert er mir prustend eine lapidare Szene aus seinem Lieblings-Weinfilm „Sideways“: Mimose Miles sitzt mit Chickolo Jack in einem Restaurant, der wiederum die wulstige Quarkstelze von Bedienung anbaggert und danach Mr. Valium Miles prophezeit: „Bet ya that chick‘s two tons of fun. You know, the grateful type?“

Herrgott, wie ich diese scherzlindernden Sticheleien sukzessive satt habe! Sogar mein ehemaliger Spezl weinbrandt schwört nun darauf, dass ich alles andere als ein süperber Schnittensammler auftrete und nur bei dankbaren Kampfpralinen zum erlösenden Stich komme. Ich dagegen würde mich durchaus als erfreulicher Anblick bezeichnen. Wenn ich mich in meinem Stammzappelschuppen auf Freiwildjagd begebe und dabei die übrigen Y-Chromosom-Träger arglistig anstarre, fühle ich mich, als leide ich an Tinnitus im Auge: überall bloß Pfeifen.

ILLU: ANDREAS WEIXLER & LUKAS MILLINGER

Doch wer feixt mich aus der dunkelsten Ecke an? Weder ein heißer Apparat mit passablem Penetrationshintergrund, noch die malerisch männerfressende Gelegenheitsnymphomanin oder die eierleckende Vollwildsau. Mitnichten! Es ist eher ein terribles Tuningdesaster, die offenkundig rein mit ihrem Gesicht verhütet. Respektive ein plüschartiges Plastelinchen, der man sich einzig dadurch erkenntlich zeigt, indem man ihr eine beachtliche Abspackprämie in Form von faden Verdauungsschnäpsen bezahlt. Beziehungsweise die massige Mundhaar-Monika, die es weit über unsere Dorfgrenze hinaus zu mit Vorsicht zu genießendem Ruhm gebracht hat. Summa summarum sämtlich überflüssig wie (Achtung, nix für zarte Gemüter, denn jetzt wird’s abgesehen von lausig misogyn zusätzlich derbe xenophob!) ein Fundbüro in Polen.


Frauen sind alle gleich – aber jede einzelne auf ihre ganz eigene Weise. Ihnen Komplimente zu machen, ist sowieso mit Topfschlagen auf einem Minenfeld zu vergleichen, aber hier stellt es sich ausnahmsweise als auswegloses Unterfangen dar. Allerdings, was nützen mir bei der horizontalen Herausforderung die hübschesten Euter, wenn eine dumme Kuh dranhängt? Oder wenn ich später missachtet und lediglich für die Empfängnisvergütung missbraucht werde? Meine Zukünftige darf mir gerne auf jegliche sonstige Art zu Dank verpflichtet sein, am liebsten wäre mir jedoch eine ausgebuffte Checkerbraut. Es soll ja schicke Mädels geben, die um einiges intelligenter als wir Männer sind, aber davon wird kaum die Küche sauber. Und ob sich das wirklich lohnt, steht in einem weitaus anständigeren Stadtmagazin.

© 09/2012 by Christoph Brandt
Text aus curt Magazin München #73, www.curt.de

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20
Nov 2012
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